Gibt es den Arbeitsplatz fürs ganze Leben?

von Yvonne am 16. Dezember 2010 | Kategorie: Aktuelle News

Immer mehr Menschen fürchten sich vor einer unsicheren Zukunft und haben Angst davor, von ihrem Arbeitgeber entlassen zu werden. Doch Statistiken zeigen, dass diese Angst in den meisten Fällen unbegründet ist. Schließlich nimmt die Dauer der Beschäftigungsverhältnisse stetig zu. Trotzdem bleibt die Frage, ob es tatsächlich möglich ist, mit einem einzigen Arbeitsplatz den Unterhalt für das ganze Leben zu bestreiten.

Immer mehr junge Leute sehnen sich nach einem sicheren Arbeitsplatz, wie zahlreiche Untersuchungen und Befragungen von Gewerkschaften zeigen. Während es vor einigen Jahren noch so war, dass Jugendliche damit zufrieden waren, in ihrem Beruf ihre Selbstbestimmung zu erfüllen, ist dies heute anders. Seit Anfang des neuen Jahrtausends haben sich die Anforderungen, welche Jugendliche an den Beruf stellen, verändert. So zeigt die Shell-Jugendstudie 2010, dass seit einigen Jahren Ordnung, Sicherheit, Bindung und Fleiß wieder wichtiger sind.

Erhebungen und Statistiken zeigen außerdem, dass junge Menschen viel Wert auf Arbeitsplatzsicherheit legen. DGB-Vize Ingrid Sehrbrock wertet dies als Zeichen dafür, dass das Ideal, von Arbeitsstelle zur Arbeitsstelle zu ziehen, bei Jugendlichen immer weniger eine Rolle spielt. Charakteristisch dafür ist, dass der Wunsch nach Sicherheit umso mehr steigt, je mehr die Unsicherheit am Arbeitsmarkt zunimmt. Repräsentative Umfragen zeigen, dass Sicherheit ein zentraler Wert für das Berufsleben zahlreicher Jugendlicher ist.

Gleichzeitig hielten die meisten der Befragten die Tatsache, mehrere Jahrzehnte bei ein und demselben Arbeitgeber bleiben zu können, für unrealistisch. Viele stellen sich deswegen von vornherein darauf ein, öfters den Arbeitsplatz zu wechseln. Doch diese gefühlte Unsicherheit spiegelt die tatsächliche Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht wider. Zuletzt waren weniger als sechs Prozent der Jugendlichen von Arbeitslosigkeit betroffen. Damit ist dieser Wert so niedrig wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Ein Grund dafür ist, dass jede zweite der anfangs befristeten Stellen in einer unbefristeten Stelle umgewandelt wird. Und auch diejenigen, welche es geschafft haben, sich beruflich zu etablieren, haben bessere Chancen darauf, eine langfristige Anstellung zu finden als noch in den vergangenen Jahren.

Bei einer Untersuchung der durchschnittlichen Beschäftigungsdauer von Mitarbeitern, welche vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung durchgeführt wurde, kam heraus, dass ein Arbeitnehmer 1992 im Schnitt 10,3 Jahre bei dem gleichen Arbeitgeber beschäftigt war. Vor zwei Jahren waren es sogar 10,8 Jahre.

Der erste Job sollte gerade deswegen durchaus als Sprungbrett angesehen werden. Umso wichtiger ist es, sich viel Zeit zu nehmen, wenn es um die Suche nach einem Ausbildungsplatz geht. Eine Befragung zum Berufswahlverhalten des Bundesinstitut für Berufsbildung hat ergeben, dass ein Viertel aller Auszubildenden erwartet, nach dem Ende der Ausbildungszeit vom Betrieb übernommen zu werden. Das Erstaunliche ist, dass 85 Prozent der Gymnasiasten sich gleich darauf einstellen, nach ihrer Ausbildung nicht gleich einen Anschlussvertrag zu erhalten. Daran lässt sich erkennen, dass insbesondere hoch Qualifizierte nicht darauf eingestellt sind, ihren ersten Job als eine Art Sprungbrett zu betrachten, wie Caroline Dépierre, Forschungsdirektoren des Marktforschungsinstituts Trendence, weiß. Bei einer aktuellen Studie fand man hier heraus, dass für die meisten Hochschulabsolventen wichtig ist, dass sie eine spannende Aufgabe erhalten.

Ob es den einen sicheren Job gibt, den man sein Leben lang ausführen kann, ist selbstverständlich auch eine Frage der Einstellung. Besonders wichtig ist, sich nicht vor neuen Herausforderungen zu scheuen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Dies geht beispielsweise mit Fortbildungen oder Fernstudien.

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