Viele freie Stellen für Gebäudereiniger und keiner will sie haben (mit Video)

von Yvonne am 21. März 2010 | Kategorie: Aktuelle News, Lustiges

Während es in einigen Branchen kaum noch Arbeit gibt, sieht dies für Gebäudereiniger vollkommen anders aus. Noch immer gibt es zahlreiche offene Stellen, die nicht besetzt werden. Und das, obwohl es einen Stundenlohn von 8,40 Euro gibt. Gewerkschaften sind der Meinung, dass die fehlende Begeisterung für diesen Beruf vor allem an den rauen Sitten liegt.

Im Herbst vergangenen Jahres haben Gebäudereiniger lange gestreikt und es geschafft, einen neuen Tarifvertrag durchzusetzen. In diesem wurde der Mindestlohn für die knapp 800.000 Gebäudereiniger bundesweit auf 8,40 Euro pro Stunde festgelegt. Der attraktive Tariflohn hebt sich im positiven Sinne von vielen anderen tariflichen Stundenlöhnen in Deutschland ab. Trotzdem hat die Branche ein massives Problem, denn sie findet nicht genügend Arbeitskräfte.

Webtipp I: Vorlagen für eine Bewerbung als Gebäudereiniger und Gebäudereinigerin findet ihr hier!
Webtipp II: Vorlagen für ein Arbeitszeugnis als Gebäudereiniger und Gebäudereinigerin findet ihr hier!

Meistens ist es so, dass Unternehmen auch im Jobcenter nicht fündig werden. Selbst dann, wenn sie beispielsweise 130 vorgeschlagene Personen erhalten, lehnen die meisten davon eine Beschäftigung als Gebäudereiniger ab. Lediglich einer von 100 Langzeitarbeitslosen ist in den meisten Fällen dazu bereit, diese Arbeit auf sich zu nehmen. Experten wissen, dass dies nicht ungewöhnlich ist und meistens an den Arbeitsbedingungen liegt. Der Gebäudereiniger muss auf verschiedene Tageszeiten verteilte Arbeitszeiten ebenso hinnehmen wie die harte körperliche Anstrengung.

Doch auch in anderen Berufen geht es so zu und dennoch sind die Stellen dort besser besetzt. Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter versuchen nun, den Arbeitskräftemangel in der Branche zu erklären. Ihrer Meinung nach hat dieses Gewerbe einen rauen Ruf, den man auch mit den tariflichen Umstellungen nicht umgehen kann. Dadurch, dass der Wettbewerb und der Preiskampf hart sind, konkurrieren ziemlich viele Unternehmen gerade in größeren Städten miteinander. Oftmals wird dieser Wettbewerb auch auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen.

Ein weiteres Problem dürfte der Leistungsdruck sein, den viele Gebäudereiniger haben. Zwar ist es nicht zulässig, die Mitarbeiter pro gereinigtem Quadratmeter oder geputztem Hotelzimmer zu bezahlen, trotzdem nutzen viele Unternehmer dies als Druckmittel. Auch unlautere Praktiken bei der Mitarbeitersuche werden von vielen Betriebsräten angeprangert. Die Tatsache, dass es viele unbezahlte Praktikanten, welche von den Firmen in den meisten Fällen nicht übernommen werden, gibt, verleiht der Branche ebenfalls einen schlechten Ruf. Auch die Einstufung in der ersten Arbeitswoche als Schulungsmaßnahme, bei der die Kosten dann vom Arbeitsamt getragen werden müssen, ist eine gängige Praktik. Die Mitarbeiter haben in vielen Fällen nicht die Möglichkeit, sich zu wehren, denn die gewerkschaftliche Organisation ist nicht besonders gut.

Hinzu kommt, dass die Anforderungen an die Mitarbeiter in den letzten Jahren gleichzeitig mit der Quadratmeterleistung gestiegen sind. Viele Arbeitnehmer wissen auch nicht, dass konkrete Leistungen nicht in den Arbeitsverträgen festgeschrieben sind oder trauen sich wegen mangelnden Rückhalts nicht, dagegen zu protestieren. Aber es liegt auch an den Mitarbeitern selbst, denn gerade in den ersten Wochen gibt es eine hohe Kündigungsrate und einen hohen Krankenstand. Arbeitnehmer, die schon nach wenigen Tagen den Druck merken, flüchten relativ schnell.


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